Love it, change it or leave it – und wenn nichts davon passt?

Love it, change it or leave it.

Ein Satz, den ich schon lange kenne und sehr gerne mag.

Wenn mir etwas nicht gefällt, habe ich drei Möglichkeiten:
Ich kann lernen, es zu mögen.
Ich kann versuchen, es zu verändern.
Oder ich kann mich entscheiden, zu gehen.

Klingt logisch.

Und trotzdem habe ich irgendwann gedacht:
Da fehlt doch etwas.

Denn was ist mit den Dingen, die ich nicht liebe, nicht verändern kann –
und die ich auch nicht verlassen kann oder möchte?

Genau deshalb würde ich dem bekannten Satz gerne noch etwas hinzufügen:
Love it, change it, leave it or accept it.

Nicht alles lässt sich verändern.

Wir können unser Leben an vielen Stellen selbst gestalten.

Diesen Gedanken verinnerlicht zu haben, halte ich für ausgesprochen wichtig.

Wir haben Einfluss. Wir können Entscheidungen treffen.
Wir können Grenzen setzen, Gewohnheiten verändern und neue Wege einschlagen.

Das Wissen um die eigene Selbstwirksamkeit kann unglaublich stärkend sein. Denn es macht einen Unterschied, ob ich mich einer Situation ausgeliefert fühle oder erkenne:
Ich kann etwas tun. Ich kann etwas verändern. Ich habe Handlungsmöglichkeiten.

Dennoch bedeutet Selbstwirksamkeit nicht, dass wir wirklich alles verändern können.
Es gibt Situationen, auf die wir keinen oder nur sehr begrenzten Einfluss haben.

Da wären z. B. Entscheidungen anderer Menschen. Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind. Veränderungen, die wir uns nicht ausgesucht haben.
Oder Lebensumstände, die gerade nun einmal sind, wie sie sind.

Trotzdem hört unsere Selbstwirksamkeit auch dann nicht einfach auf.
Denn selbst wenn ich eine Situation nicht verändern kann, bleibt immer noch die Frage:
Wie gehe ich mit ihr um?

Auch darin liegt Handlungsspielraum.

Und manchmal besteht dieser Handlungsspielraum eben nicht darin, noch mehr zu tun,
noch länger nach einer Lösung zu suchen oder weiter gegen etwas anzukämpfen.

Sondern darin, anzuerkennen:
Es ist, wie es ist.

In diesem Moment entscheide ich mich bewusst, meine Kraft nicht länger in einen Kampf zu stecken,
den ich nicht gewinnen kann.

Accept it.

Akzeptieren heißt nicht gutheißen

An dieser Stelle wird Akzeptanz schnell missverstanden.
„Dann muss ich das wohl akzeptieren.“
Schon dieser Satz klingt nach hängenden Schultern. Nach Aufgeben. Nach: „Ich habe verloren.“

Aber so ist es nicht. Ganz im Gegenteil.
Akzeptanz kann eine sehr bewusste Entscheidung sein.

Ich entscheide, nicht länger meine Kraft darauf zu verwenden, gegen etwas anzukämpfen,
das gerade nicht in meiner Hand liegt.

Das bedeutet keineswegs, dass ich es gut finden muss.
Ich kann aber eine Situation ungerecht finden und trotzdem akzeptieren, dass sie gerade so ist.
Ich kann enttäuscht über eine Entscheidung sein und anerkennen, dass ich sie nicht ändern kann.
Ich kann mir auch wünschen, dass etwas anders gelaufen wäre, und trotzdem aufhören,
gedanklich immer wieder mit der Vergangenheit zu hadern.

Akzeptieren bedeutet zunächst nur: Ich erkenne an, was ist.

Nicht mehr.

Aber eben auch nicht weniger.

Der Kampf gegen die Realität kostet Kraft

Wir kennen wahrscheinlich alle diese inneren Endlosschleifen.
„Warum musste das passieren?“
„Das kann doch nicht sein.“
„Wenn er doch nur …“
„Sie hätte doch …“
„Es müsste eigentlich ganz anders sein.“

Das Problem dabei ist:
Wir kämpfen in diesem Moment nicht mehr nur inhaltlich mit der Situation.
Wir kämpfen zusätzlich dagegen, dass sie überhaupt so ist.

Und dieser zweite Kampf kann unglaublich viel Energie kosten.

Nur: Dadurch verändert sich die Situation trotzdem nicht.
Aber wir beschäftigen uns immer wieder mit ihr.
Ärgern uns erneut.
Spielen Gespräche im Kopf durch.
Stellen uns vor, wie es eigentlich sein sollte.

Und an diesem Punkt kann Akzeptanz enorm entlasten.

Sie macht die Situation nicht besser.
Aber sie kann diesen zusätzlichen inneren Kampf beenden.

Und dadurch kann wieder Raum entstehen für die Frage:
Was liegt jetzt in meiner Hand?

„Accept it“ ist keine Kapitulation

Aus eben diesem Grund fehlt mir „Accept it“ in dem bekannten Dreiklang.

Denn zwischen „Ich liebe es“ und „Ich verändere oder verlasse es“ gibt es Situationen,
in denen keine dieser Möglichkeiten wirklich passt.

Dann darf ich sagen:
Es ist, wie es ist.

Nicht gleichgültig.
Nicht resigniert.
Natürlich auch nicht begeistert.
Aber bewusst.

Ich entscheide mich bewusst dafür, meine Kraft nicht länger zu verbrauchen,
um gegen etwas anzukämpfen, das ich gerade nicht ändern kann.

Das ist für mich keine Schwäche.
Im Gegenteil.

Zu erkennen, wo mein Einfluss endet, kann genauso wichtig sein wie zu wissen, wo ich etwas bewirken kann.

Akzeptanz schafft wieder Raum

Wenn ich aufhöre, innerlich immer wieder gegen etwas anzukämpfen, verschwindet die Situation dadurch nicht. Das ist klar.

Aber sie muss auch nicht mehr ständig meine Gedanken beschäftigen. Wenn ich aufhöre, in Gedanken immer wieder dasselbe durchzukauen und mich letztlich dabei doch immer nur im Kreis zu drehen, wird etwas frei.

Kraft.
Aufmerksamkeit.
Und auch wieder Platz für neue Gedanken.

Die Situation darf noch da sein. Sie darf mich auch weiterhin beschäftigen, traurig oder wütend machen.
Aber sie muss nicht mehr über mich bestimmen.

Akzeptanz kann dafür sorgen, dass etwas, das sich vorher sehr groß angefühlt hat, wieder seinen angemessenen Platz bekommt.

Dadurch ist es nicht unwichtiger geworden. Aber ich gebe ihm nicht länger durch meinen inneren Widerstand noch zusätzlichen Raum.

Und in diesem Moment geschieht noch etwas anderes sehr Wertvolles:
Mein Blick wird wieder weiter.

Love it. Change it. Leave it. Accept it.

Ich mag den ursprünglichen Satz noch immer.

Love it, change it or leave it.

Liebe es.
Verändere es.
Oder verlasse es.

Aber für mich gehört diese vierte Möglichkeit dazu:
Accept it.

Akzeptiere, dass manches gerade so ist, wie es ist.

Denn auch das gehört für mich zu Resilienz:
Zu erkennen, wann es Zeit ist zu handeln.

Und ebenso zu erkennen, wann es Zeit ist, aufzuhören, gegen die Realität anzukämpfen.

Love it. Change it. Leave it. Accept it.

Ich finde, erst mit dieser vierten Möglichkeit wird der Gedanke vollständig.